Bilder einer möglichen Zukunft? Solidarität und das politische Imaginäre
von Lucas Mielke: Mehr Information
Interaktiver Vortrag mit Diskussion
- Sprache: Deutsch
- Dauer: 1.5h (mit Diskussion)
- In Präsenz
Um was geht´s?
Solidarität hat politische, gesellschaftliche, ethische und psychosoziale Voraussetzungen. Ihr Begriff ist selbst umkämpft. Die Debatten um Solidarität rufen unterschiedliche Narrative, Bilder und Bedeutungszusammenhänge auf, die auf zum Teil konfligierende normative Grundlagen verweisen. Die Forderung nach einer unbedingten Solidarität ist Ausdruck des Versuches, emanzipatorische politische Praxis nicht durch die Berufung aufgeteilte Identitätsmerkmale oder gemeinsame Erfahrungen zu begrenzen. Die Rede vom Unbedingten konfrontiert uns jedoch mit einer Reihe von Fragen und Widersprüchen, die die Gefahr der Vereindeutigung oder Relativierung bergen, denn politisches Handeln „findet immer im Reich des Bedingten statt“ (O. Marchart) und jedes „Wir“ bringt neue Ausschlüsse mit sich. Politische, nicht-institutionalisierte Solidarität, richtet sich in der Praxis zwar auf das Einzelne/Besondere (etwa im Fall der Seenotrettung), sie verweist jedoch immer über sich hinaus und auf die Ebene des Allgemeinen – zum Beispiel dann, wenn die Frage von Gerechtigkeit verhandelt wird. Wie aber kommt die Dimension des Imaginären ins Spiel? Geteilte Vorstellungen bzw. Fantasien einer erwünschten gesellschaftlichen Transformation motivieren solidarisches Handeln. Und gleichzeitig ist es die praktische Auseinandersetzung mit konkreten Problemen, die Begegnung zwischen vormals Fremden, die das Potenzial hat, einen utopischen Überschuss zu produzieren. Auf diese Weise wird das, was Solidarität ist und bedeuten soll, immer wieder neu verhandelt.
In meinem Vortrag möchte mich aus politisch-theoretischer und psychoanalytischer Perspektive mit der Relevanz der Kategorie des Imaginären (J. Lacan, C. Castoriadis, E.Laclau) für Theorie und Praxis der Solidarität befassen. Anhand konkreter aktueller und historischer Beispiele aus Ostdeutschland bzw. der DDR soll aufgezeigt werden, wann und inwiefern Solidarität über ihren konkreten Anwendungsbereich und das Bestehende hinausweist. Ein weiteres Augenmerk soll dabei auf der Frage liegen, welche Ein- und Ausschlüsse bereits in unseren Erzählungen und Bildern von Solidarität angelegt sind.
Zielsetzung des Beitrags
- Der Beitrag soll einer Schärfung des Solidaritätsbegriffes, einer kritischen Verständigung über normative Grundlagen, sowie der Einführung in Begriff und Geschichte des gesellschaftlichen/politischen Imaginären dienen.
- Anhand konkreter historischer Beispiele soll aufgezeigt werden, wie Solidarität einen tendenziell utopischen Überschuss an Vorstellungen und Bedeutungen produziert.
- In der Diskussion wollen wir uns außerdem mit dem Widerspruch auseinandersetzen, dass jede solidarische Verbindung immer auch neue Ausschlüsseproduziert.