Solidarische Daseinsfürsorge als Welfare Imaginary


von Jasna Reichenpfader, Julia Bachmann, Anna Raza: Mehr Information

Vortrag + anschließend Fragen/Diskussion

  • Sprache: Deutsch
  • Dauer: 30min
  • In Präsenz

Um was geht´s?

In unserem Vortrag stellen wir unser Forschungsprojekt zum Thema Mutual Aid bzw. selbstorganisierte solidarische Formen des Füreinander-Sorgens und ihr Verhältnis zum Wohlfahrtsstaat vor, dass wir Rahmen unseres Soziologie-Masterstudiums an der Universität Wien in den letzten Monaten aufgebaut haben.

Dabei sind wir der Frage nachgegangen, wie Vorstellungen von Wohlfahrt unter Menschen, die Mutual Aid praktizieren, artikuliert und verhandelt werden, und wie sie dabei ihre eigene Praxis im Verhältnis zum österreichischen Wohlfahrtsstaat verstehen. Dafür haben wir Interviews und Fokusgruppendiskussionen mit Menschen geführt, die in unterschiedlichen Bereichen Mutual Aid praktizieren, diese mittels qualitativer Kodierung ausgewertet.

Entlang des Welfare-Imaginary-Ansatzes (vgl. Taylor 2003; Clarke 2020 & Bramall et al. 2026) rekonstruieren unsere Ergebnisse ein spezifisches „Welfare Imaginary“, also eine kollektive Vorstellungs- und Handlungswelt von Wohlfahrt, in der ein solidarisches Füreinander zentral ist. Dieses zeichnet sich insbesondere durch die Art aus, in welcher Praktizierende Mutual Aid verstehen, wie sie diese Praxis von anderen Formen des Helfens sowie staatliche und nicht-staatliche Wohlfahrtarragements abgrenzen, welche Herausforderungen sie benennen und welche utopischen Vorstellungen sie entwickeln.

Kurz gesagt zeichnen wir also nach, wie Menschen, die Mutual Aid praktizieren, Wohlfahrt imaginieren, aushandeln und leben – und wie Wohlfahrt jenseits von oder über staatliche Strukturen hinaus gedacht und praktiziert werden kann. In unserem Vortrag wollen wir einen Einblick in unser Forschungsprojekt und insbesondere die vorläufigen Ergebnisse geben, aber auch den Raum für Diskussion und weiterführende Gedanken öffnen.


Zielsetzung des Beitrags

Wir wollen gemeinsam zeigen und weiterüberlegen, wie wir gemeinsam aus Sicht von solidarischer Fürsorgepraxen und Mutual Aid eine mögliche zukünftige Wohlfahrt imaginieren können